50 Wochen Project Life liegen nun hinter mir und ich freue mich sehr, so lange “durchgehalten” zu haben und natürlich vor allem darüber, dass es nach wie vor viel Spaß macht! Zwischendurch gab es, ehrlich gesagt, auch mal “Hänger”. Das lag aber vor allem daran, dass ich weniger Zeit für dieses Projekt übrig hatte, als gewünscht und benötigt. Es macht nämlich bei weitem nicht so viel Spaß, den Wochen “hinterherzulaufen”, als alles zeitnah zu dokumentieren.

Weil ich weiß, dass einige von euch auch anfangen (oder wiedereinsteigen) wollen, habe ich hier mal meine Erfahrungen mit Project Life zusammengetragen. Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Tipp für euch hilfreich wäre und möglichst viele sich entschließen, bei dieser wirklich spannenden Reise dabeizusein!


ALBUM

Mein Album ist von We R Memorykeepers. Es ist in vielen Farben und uterschiedlichen Größen erhältlich. Ich habe das große 12 x 12″ Album (Seiten: 30,5cm x 30,5cm, Außenmaße 37,5cm x 33cm) in einem schönen Naturweiß bzw. Cremeton. Das Album ist sehr hochwertig aus Leder gearbeitet, also genau richtig für dieses Projekt. Die Project-Life-Hüllen von Becky Higgins passen selbstverständlich perfekt hinein.
Wo das fertige 2012erAlbum letztendlich seinen festen Platz bei uns finden wird, ist noch völlig unklar, denn es nimmt wirklich sehr viel Platz in Anspruch … Idealerweise sollte es an einem Ort stehen, an dem es (auch für Kinder) leicht erreichbar ist, damit man es oft zur Hand nehmen und sich daran erfreuen kann. Das gilt natürlich genauso und ganz besonders für das jeweils aktuelle Album. Bei uns liegt es immer griffbereit im Wohnzimmer.

Mein Album hat für ein Jahr gerade so gereicht. Ich habe (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) keine Extraseiten, bzw. -hüllen, eingelegt und auf “dicke” Verzierungen weitgehend verzichtet. Eine ganz persönliche Entscheidung. Einige Project-Lifer füllten in diesem einen Jahr problemlos zwei oder auch drei Alben dieser Größe.
Ich wollte das Ganze möglichst übersichtlich und einfach gestalten. Ein Album pro Jahr finde ich für mich absolut ausreichend und wahrscheinlich blättert man dann auch öfter darin als in so einem double- oder gar triple-feature. Ich würde mich davon wohl eher erschlagen fühlen und seltener “mal eben so zwischendurch” einen Blick hineinwerfen. Aber, wie gesagt, das ist eine ganz und gar individuelle Entscheidung. Das Grundkonzept ist auf jeden Fall beliebig wandel- und erweiterbar.

Für mein Project Life habe ich mich für die Style A Page Protectors von Becky Higgins entschieden. Hier kann man sie direkt mit Versand nach Europa bestellen.
Es gibt eine ganze Reihe von Designvarianten dieser Hüllen. Ich mag die Aufteilung der Style-A-Hüllen und habe diese durchgehend für das ganze Jahr verwendet. Ausnahmen waren lediglich die o.g. vier Einlegeseiten, für die ich Hüllen in einem anderen Format gewählt habe, wie z.B. unten zu sehen. Hier habe ich eine Hülle dem Format einer Karte, die ich meinen Kindern geschrieben hatte, angepasst, also zurechtgeschnitten und die offenen Ränder dann zugenäht.

Auch von Becky Higgins sind die sogenannten monthly dividers, die ich hilfreich finde. Ich habe sie in der schlichten, matt-transparenten Version verwendet.

Es gibt sie außer in transparent, passend zu den Papieren der Kits auch in verschiedenen schönen Designs. Natürlich kann man sich solche Trennelemente auch ganz leicht selbst basteln, da sind eurer Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt. Für mich waren die fertigen Trenner eine weitere Hilfe, um das ganze Projekt so einfach wie möglich gestalten zu können. Genau wie die Hüllen kann man sie hier bestellen.


INHALT

Von der “Hardware” geht es jetzt weiter zum Füllen der Seiten. Hier bin ich mit meinem PL etwas vom Weg abgewichen. Die fertigen Karten-Sets, die man bei Becky Higgins kaufen kann, passen selbstverständlich ganz wunderbar in die dafür vorgesehenen Taschen und machen das ganze Prozedere auch wirklich einfach.
Ich habe mich jedoch dafür entschieden, kein solches Kit zu verwenden (obwohl mir das Clementine-Kit wirklich gut gefiel!), und stattdessen meine Karten fast ausschließlich selbst herzustellen.

Zum einen macht es mir einen Riesenspaß, meine Seiten immer wieder ganz individuell zu gestalten und zum anderen sind die fertigen Karten alle an den Ecken abgerundet. Das sieht sehr hübsch aus. Abe meine Seiten sind so angelegt, dass eine Seite im Album auch komplett als eine Seite wahrgenommen wird. Somit kann ich nur Rundungen an den vier äußeren Ecken (der kompletten Seite) gebrauchen. Das bedeutet, ich habe bei der linken oberen Karte nur die linke obere Ecke, bei der rechten oberen Karte nur die rechte obere Ecke abgerundet usw. Dafür benutzte ich einen Eckenrunder. (Leider finde ich ihn nicht mehr im Netz und kann deswegen nicht verlinken. Er ist aber ganz ähnlich wie dieser hier.)
Das war mein Weg und zeigt einmal mehr, wie wandel- und individualisierbar das System Project Life ist!

Ganz ohne die angesprochenen wunderschönen PL-Basics wollte ich allerdings auch nicht sein! So habe ich mir ein paar der Motive aus dem besagten Clementine-Kit hier digital besorgt und die Dateien, die ganz im PL-Stil auch mit abgerundeten Ecken angelegt sind, in Photoshop den Anforderungen meines Albums, bzw. meines Layouts angepasst. Wenn mir ein Motiv gut gefiel, es aber farblich nicht zur Stimmung meiner Seiten passte, habe ich die Farbe auch mal kurzerhand geändert. Ich hoffe, Becky stört das nicht.

Für das nächste Jahr gibt es ein paar neue Kits und ich bin ganz arg verliebt in dieses. Es kann also durchaus sein, dass ich dann doch öfter mal “fertige” Karten verwenden werde. Noch wird mein Favorit leider nicht digital angeboten, ich hoffe aber sehr, dass es bald soweit ist!


WORKFLOW

Ich bin ja keine Scraperin, habe aber vor einem Jahr zum ersten Mal mit großer Freude ein December Daily gestaltet. Erst über Project Life bin ich auf diese “Scrap-Szene” gestoßen und seitdem … absolut überwältigt. Wie viel Kreativität man da im Netz zu sehen bekommt! Was für tolle Leute da unterwegs sind … Hammer!

Und so habe ich anfangs auf meinen PL-Seiten auch noch mehr gescrapt und Alphas (Buchstabensticker), Die Cuts (ausgestanzte Verzierungen, z.B. Blüten) und PP (Patterned Paper, also gemusterte Papiere) verwendet. Das alles erklärt Barbara übrigens ganz wunderbar: Sie hat sich die Mühe gemacht, ein Scrapbooking-Lexikon zusammenzustellen. Das hat mich, das Greenhorn die absolute Anfängerin, gerettet und mir überhaupt erst ermöglicht, wenigstens ein bisschen zu begreifen, worüber die alle reden bzw. schreiben … 🙂 Danke Barbara!

Im weiteren Verlauf habe ich das Scrapen im PL (leider) immer mehr aufgegeben und hauptsächlich digital gearbeitet. Die Bilder am Computer bearbeitet, ab und zu mit Text versehen und ausgedruckt. So war es für mich in stressigen Zeiten einfacher, ging schneller und hat mir somit geholfen, bei der Stange zu bleiben. In Zukunft möchte ich sehr gerne wieder mehr “analog” arbeiten und ein bisschen mehr “spielen”.


DIGITALE VORLAGE

Eine solche wiederverwendbare Vorlagenseite habe ich mir in Quark XPress erstellt. Andere Layoutprogramme (z.B. InDesign) oder Illustrator eignen sich natürlich genauso dafür und selbstverständlich auch ganz wunderbar mein guter Freund Photoshop.
Meine Fotos verwalte ich in iPhoto und für jede Woche erstelle ich mir auf dem Desktop meines Computers einen Ordner, in dem ich die wichtigsten, besten, schönsten Bilder einer Woche sammle. Diese werden dann in die erwähnte Vorlage geladen und solange “herumgeschoben”, bis ich mit der Anordnung und Aussage einer Seite zufrieden bin.
Andere “Füller”, wie z.B. Eintritts- oder Visitenkarten, irgendwelche Zettel, Verpackungen oder anderes “Zeug”, das in der jeweiligen Woche eine Rolle gespielt hat, sammle ich in einer Schale neben meinem Schreibtisch und habe so alles im Blick (und im Griff), wenn ich an den Seiten arbeite.


INTRO- UND WOCHENKARTEN

In meinem Project Life bin ich gut damit gefahren, immer die gleichen Intro- und “Unsere-Woche”-Karten zu verwenden. Diese habe ich mir schon recht früh im Jahr gestaltet und dann nur noch Woche für Woche in den Farben variiert. Hier gab es eine Abwandlung davon mal als Freebie.
Die Anordnung dieser Karten gibt dem Seitenlayout (links oben und rechts unten, mit ganz wenigen Ausnahmen) immer gleich von Anfang an eine feste Struktur.
Für nächstes Jahr werde ich diese beiden Standardkarten bestimmt ein bisschen verändern, das Prinzip aber auf jeden Fall beibehalten.


JOURNALING

Um eine Woche im Project-Life-Album gut wiedergeben zu können, hilft es sehr, sich bereits während der Woche durchgehend Notizen zu machen: Was war heute besonders schön? Wen habe ich getroffen, mit wem ein gutes Gespräch geführt? Was hat wer wann Lustiges oder Interessantes von sich gegeben? Was haben wir gegessen, welche Filme gesehen, was gehört und was gelesen?
Schlicht und ergreifend geht es darum, zu dokumentieren, was die Woche ausgemacht hat. Oft sind das ja ganz kleine Momentaufnahmen, und die gilt es, festzuhalten. Wie das am besten funktioniert, findet jeder am besten für sich selbst heraus. Ob man nun immer ein Notizbuch mit Stift in Reichweite hat und so ganz einfach und “auf die Schnelle” Gedanken und Erlebnisse niederschreiben kann, oder ob man eine spezielle App für sein Smartphone nutzt, ist völlig egal. Hauptsache, man konserviert möglichst viel vom normalen Tagesablauf. Es ist nämlich durchaus erstaunlich, wieviel, gerade von den kleineren Ereignissen, man bereits nach einer Woche wieder vergessen hat.
Für mich hat sich dieses Problem vor einiger Zeit ganz von selbst gelöst, da ich im Rahmen einer homöopathischen Behandlung über jeden Tag so genau wie möglich Buch führen soll. Diese regelmäßigen Aufzeichnungen sind mir inzwischen ganz selbstverständlich geworden und nützen mir für Project Life natürlich sehr.

Es gibt eine Riesenmenge an schön gestalteten Journalingcards, die man fertig kaufen (s.o) oder auch als Freebie-Printables auf diversen Blogs herunterladen kann. Gebt einfach mal project life printables oder free printable journaling cards in eure Suchmaschine ein und ihr werdet komplett die Zeit vergessen für längere Zeit aufs Angenehmste beschäftigt sein 🙂 Diese Karten lassen sich ausgedruckt und zurechtgeschnitten ganz hervorragend mit kurzen Texten beschriften und sie passen perfekt in die Hüllen.
Für mein PL habe ich außerdem für jede Woche eine spezielle Karte, auf der ich in Kurzform die ganze Woche zusammenfasse. Ihr könnt sie gerne als PDF downloaden.

Darüber hinaus liebe ich es, Jounaling direkt auf den Fotos unterzubringen. Das funktioniert am besten in Photoshop. Im neuen Jahr plane ich ein kleines Tutorial, das diese einfache Technik anschaulich erklärt. Manche Bilder bieten sich durch einen “freien”, homogenen Hintergrund perfekt für Journaling an, andere kann man wunderbar mit kleinen Labels oder Stickern bekleben und dann darauf schreiben. Manchmal genügt mir einfach das Datum (ich benutze diesen Datumstempel) und manchmal schreibe ich noch ein bisschen mehr dazu. Es sieht auch schön aus, den Text einfach auf normales weißes Papier zu drucken, dann die einzelnen Zeilen in Streifen zu schneiden und diese direkt auf das Foto zu kleben.

Hier seht ihr ein paar Beispiele:


FOTOS

Die meisten Bilder für Project Life mache ich tatsächlich mit meinem iPhone. Im Prinzip geht es ja nicht darum, Schönheitspreise zu gewinnen, sondern vielmehr die kleinen, mehr oder weniger besonderen Momente im Alltäglichen festzuhalten. Dafür muss man meist schnell sein und das funktioniert mit der Handykamera sehr gut.
Wenn ich mir etwas mehr Zeit lassen kann, greife ich zu meiner Canon EOS 550 D. Das war überhaupt die beste Anschaffung in diesem Jahr! Ich freue mich immer noch wie ein Schneekönig darüber. Zu dem 18-55mm-Objektiv, das bei dem Kit dabei war, habe ich mir noch ein EF 50mm-Objektiv geleistet. Da ich ausschließlich ohne Blitz und sehr gerne mit großer Blende fotografiere, war das eine super Ergänzung. Und mit dieser Ausstattung bin ich rundum mehr als zufrieden.

Anfangs habe ich alle Fotos immer selbst ausgedruckt und dann in den beiden Formaten, die die Style A-Hülle vorsehen, ausgeschnitten. Dieses Papier hat sich, nach vielem Rumprobieren, als die beste Wahl für unseren Epson-Tintenstrahldrucker erwiesen. Alles, was nicht Foto ist, drucke ich oft auf ganz normalem Papier oder auf mattem, 120g No-Name-Inkjet-Papier (bei Aldi gibt es manchmal richtig Gutes!).

Später, z.B. als ich mal mehrere Wochen PL nachzuholen hatte, habe ich ab und zu ein Online-Labor genutzt. Mit sehr guten Ergebnissen. Das angebotene Format 10 x 15cm entspricht ziemlich genau dem Maß der großen Taschen. Um exakt den Bildausschnitt zu erhalten, den ich haben wollte, und um beim Seitenformat 2:3 keine Verluste in Kauf nehmen zu müssen, habe ich alle Bilder in Photoshop in eine Vorlage mit der Größe 1000 x 666 Pixel geladen und jeweils so abgespeichert. Für die Fotos in den kleinen Hüllen habe ich jeweils zwei zusammen auf eine Vorlage gestellt und das fertige Bild dann quasi halbiert. So sieht das dann beispielsweise aus:

Im Moment drucke ich meine Bilder wieder vermehrt selbst aus. Das Online-Labor ist zwar sehr preisgünstig, lohnt sich aber erst so richtig, wenn man eine größere Menge an Fotos zu drucken hat. Die Bilddateien für nur eine Woche PL hinzuschicken und dann für das Porto der zugeschickten Abzüge mehr zu bezahlen als für die Fotos selbst, lohnt sich eigentlich nicht. Obwohl, ehrlich gesagt habe ich das noch nicht durchgerechnet. Die Kosten für Papier und v.a. Druckerpatronen sind ja auch kein Pappenstil. Ich werde das mal recherchieren und dann berichten.


FAZIT

Für mich ist Project Life eine wunderbare und sehr wertvolle Begleitung durchs ganze Jahr geworden. Das Album enthält unsere Geschichte. Zumindest die Geschichte(n) des letzten Jahres.
Es hat mich dazu gebracht, dieses Jahr bewusster zu erleben und die besonderen Momente unseres ganz normalen Alltags stärker in Erinnerung zu behalten. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass die Zeit (trotz teilweise extrem schwieriger äußerer Bedingungen) nicht ganz so hektisch vorbeigeflogen ist wie sonst. Indem ich so oft diese kleine Begebenheiten für uns dokumentiert habe, war ich bewusster “dabei”.

Die Wertschätzung und auch Dankbarkeit für quasi Selbstverständliches steigt enorm und diese so schnelllebige Zeit erhält durch das Innehalten und Reflektieren beim Gestalten des Albums mehr Ruhe und Tiefe.

Natürlich hält man vor allem die schönen Begebenheiten fest. Für mich erfüllt Project Life nicht die Funktion eines Tagebuchs. Vielmehr ist es ein Schatzkästchen für Erinnerungen, ein Fundus an gemeinsamen Erlebnissen, eine Sammlung der großen und kleinen Momenten, die unser Leben eben ausmachen.

Immer mal wieder habe ich rückblickend das Gefühl, ich hätte in einer bestimmten Zeitspanne außer Arbeit nichts erlebt. Dann muss ich nur kurz im Album blättern, um zu sehen, dass es auch in den besonders stressigen und manchmal eben auch schlimmen Zeiten immer auch schöne, besondere und festhaltenswerte Momente gegeben hat. Auch wenn das vielleicht “nur” ein leckeres Essen, der besonders gut gelungene Milchschaum auf dem Kaffee oder das Grinsen im Gesicht des Jüngsten gewesen sein mag.

In diesem Sinne: Ich mache weiter!

Wie ist es mit euch?
Seid ihr dabei?

Liebe Grüße,
Tina