Was wäre, wenn …
oder: Wofür tauschen wir unsere wertvolle Zeit?

 

Ihr Lieben,

dieser Post ist anders. Ich habe ganz schön lange überlegt, ob ich die Gedanken, die in den letzten Tagen in mein Journal geflossen sind, öffentlich teilen soll. Aber, wie ihr seht, hab ich es getan. Sie sind einfach zu wichtig. Und wenn sie nur einer von euch helfen, nur eine auf- oder wachrütteln, dann reicht mir das schon.

OK.

A. Ist meine Nachbarin. Unsere beiden Familien sind gleichzeitig vor gut 20 Jahren hier eingezogen. Unsere Kinder sind zusammen aufgewachsen und wir sind quasi über den Gartenzaun und beim gemeinsamen Grillen und Feiern im Lauf der Zeit zusammengewachsen, haben so manche Höhen und Tiefen miteinander durchlebt.

Am Sonntag ist A. zusammengebrochen. Herzstillstand. Sie war allein und bis wir hier merkten, was los war, verging kostbare Zeit. Alle Wiederbelebungsmaßnahmen brachten keinen Erfolg und auch der Notarzt konnte sie nicht richtig zurückholen. Ich schreibe „nicht richtig“, weil zwischenzeitlich ab und zu ein schwacher, unregelmäßiger Puls spürbar war. Ich bin medizinischer Laie, bitte verzeiht mir meine unkorrekte Ausdrucksweise. Seitdem liegt sie jedenfalls im künstlichen Koma. Die Details lasse ich weg, aber die Prognose ist nicht gut. Falls sie überhaupt wieder aufwacht, wird sie wohl nicht mehr die sein, die sie einmal war.

Leute, wir vergessen so oft, wie kostbar das Leben ist.
Nichts ist selbstverständlich.

Natürlich beschäftigt mich und meine Familie dieses Ereignis gerade sehr intensiv. Ja, es ist wieder mal so ein Weckruf. Ein Weckruf des Lebens, wie es ihn ja leider häufiger gibt. Aber dieser darf nicht einfach so verpuffen und vom Alltag niedergewalzt werden. Ich möchte A. zurufen, dass ich ihn gehört habe. Ihr versprechen: Das darf nicht umsonst sein …

Deshalb schreibe ich diesen Blogpost.
Deshalb mache ich es öffentlich.
Deshalb nutze ich die Chance, mir damit selbst ein Versprechen zu geben.

Das Versprechen, jetzt wach zu sein.
Und zu leben.
Denn das ist eine verdammt großartige Alternative.

Leben.
Ich habe sowas von keine Lust mehr auf dieses Kleinklein, auf Engstirnigkeit, Mangeldenken und der drückenden Sorge vor Dingen, die vielleicht nie eintreten.
Ich will mich lieber zu früh freuen, als gar nicht und nicht immer soviel auf „später“ verschieben.

Es ist an der Zeit, frei zu sein, uralte, limitierende Glaubenssätze endlich hinter mir zu lassen und neu zu denken.

Denn, was wäre, wenn wir der Tatsache, dass nichts im Leben selbstverständlich ist, erlauben würden, uns wirklich zu verändern?

Was wäre, wenn dieses Wissen seine ganze Kraft entfalten würde?
Wenn wir wach genug wären, um auch ohne schreckliche Ereignisse die Schönheit, die Tiefe und das Geschenk dieses Lebens erkennen könnten?
Was, wenn es tatsächlich „nur“ darum ginge, glücklich zu sein?

Was wäre, wenn …?

  • Was wäre, wenn unsere einzige Aufgabe darin bestünde, uns voll und ganz zu entfalten, unseren wahren inneren Kern (wieder)zuentdecken und zu leben?
  • Was wäre, wenn es vor allem darum ginge, eine liebevolle und vor allem entspannte Beziehung mit uns selbst zu haben, uns zu mögen?
  • Was wäre, wenn wir im großen Spiel des Lebens die meisten Punkte dafür erhielten, der Freude zu folgen?
  • Und was, wenn wir damit auch anderen die Erlaubnis gäben, genau das zu tun?
  • Was wäre, wenn wir Ärger und Schuldgefühle loslassen und uns selbst und anderen ehrlich und unaufgeregt vergeben würden?
  • Was wäre, wenn wir uns auch in unserer Verletzlichkeit sicher und stark fühlen könnten?
  • Was wäre, wenn wir uns wirklich und in Gänze unserer Schöpferkraft bewusst wären? (Würden wir uns dann in diesem Ausmaß Gedanken von Sorge, Scham und Angst hingeben? Würden wir weiterhin Groll und Bitterkeit pflegen? Würden wir unsere kostbare Energie für blödsinnige Kleinigkeiten, die wir sowieso nicht ändern können, verplempern?)
  • Und was wäre, wenn wir endlich akzeptieren könnten, dass es so was wie Perfektion gar nicht gibt? Dass das Streben danach selbstzerstörerisch ist. Und nicht gut für unsere Beziehungen.
  • Und dass es keine größere Zeit- und Ressourcenverschwendung gäbe, als den permanenten sinnlosen Vergleich mit anderen.
  • Was wäre, wenn wir ganz klar sehen könnten, dass wir jeden Morgen aufs Neue das größte Geschenk überhaupt erhalten. Einen neuen Tag.

 

Also, wofür tauschen wir unsere wertvolle Zeit?

Diese Frage sollten wir uns stellen.
Und die Antwort aushalten.

Denn nichts ist selbstverständlich.

 

Habt es schön, ihr Lieben! 
Seid gut zu euch und bleibt einzigartig. Denn das seid ihr!